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Ten Years For Future - 10 Jahre Verein für Nachhaltigkeit e.V.

Der Verein für Nachhaltigkeit e.V. hat seinen ersten zweistelligen Geburtstag gefeiert. Vor zehn Jahren hat sich diese deutschlandweit agierende Organisation in Freising gegründet. Er ist Teil einer inzwischen weltweiten Bewegung, die für schonenden Umgang mit Ressourcen, achtsame Lebensstile und Klimagerechtigkeit steht – was inzwischen auch die Politik zur Kenntnis nimmt.

Zur 10-Jahrfeier trafen sich in Weihenstephan etwa 70 Gäste um zurückzublicken, vor allem aber auch um über Zukunftsfragen zu diskutieren. Joachim Hamberger, Vorsitzender des Vereins, stellte den Satz „Die Zukunft gehört der Jugend!“ in den Mittelpunkt seine Festrede. Aber weil unser gegenwärtiger energieintensiver Lebensstil sich zeitverzögert erst nach Jahrzehnten auf die Umwelt auswirkt, nehmen wir mit unserem Verhalten heute allen Kindern der Welt einen Teil ihrer Zukunft weg. Deshalb macht der Verein intensive Bildungsarbeit, um über die Zusammenhänge aufzuklären.

In einer Diskussionsrunde (siehe auch Text weiter unten) wurde v.a. zu Klimafragen diskutiert. Antonia Messerschmitt von Fridays for Future München forderte die Energiewende in aller Konsequenz und Klimaneutralität in Deutschland bis 2035 mit einem Kohleausstieg bis 2030. Max Straubinger, MdL, beschrieb einen Bogen vom Weltklimagipfel 1997 in Kyoto bis zum aktuellen deutschen Klimaschutz-Gesetz und betonte die Notwendigkeit von Kompromissen. Die Schaffung von Anreizen habe Priorität, nicht die Anwendung von Ordnungsrecht. Dem widersprach der Physiker Achim Bubenzer deutlich und verwies auf die dramatische globale Erderwärmung. Die Begrenzung des Anstiegs globaler Temperaturen auf 1.5°C scheine noch möglich, aber nicht mit den geplanten Regierungs-Aktionen, es müsse viel entschiedener vorgegangen werden.

Moderator Prof. Dr. Gerhard Müller-Starck wies darauf hin, dass Nachhaltigkeit neben der aktuellen Klimadiskussion auch diverse andere Aspekte einschließt, z.B. weltweite Waldvernichtung, Artensterben, Bodenversiegelung, Vergiftung der Umwelt, Verkehr. Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher wies auf das Konzept der 'Klima-Dividende' als Alternative zur CO2-Steuer hin. MdL Johannes Becher fordert die Einstellung diverser Subventionen im Flugverkehr und spricht sich gegen die 3. Startbahn des Münchener Flughafens aus.

Der Verein für Nachhaltigkeit e.V. hat In den zehn Jahren Schriften, Bücher und Broschüren herausgegeben, Filme gemacht, Tagungen und Workshops organisiert, die Mitglieder sind in Schulen gegangen und haben Vorträge gehalten. Das Hauptziel des Vereins ist es den Gedanken der Nachhaltigkeit als Leitkultur für das 21. Jahrhundert zu etablieren. Deshalb sollen Menschen zu kritischem Sich-Selbst-Hinterfragen und langfristigem Selbst-Denken geführt werden, um damit den erforderlichen Wandel zu einer ökologischen und nachhaltigen Gesellschaft zu unterstützen.

Der anschließende Stehempfang bot viel Gelegenheit zu intensivem Austausch.


Foto: Die Referenten des Veranstaltung Ten Years For Future
Von links nach rechts:
Prof. Dr. Achim Bubenzer (VfN), Thomas Schwab (VfN), MdB Max Straubinger, Antonia Messerschmitt (Fridays For Future), MdL Johannes Becher, Dr. Joachim Hamberger (VfN), Claudia Behringer (VfN), Oberbürgermeister Tobias Eschbacher, Kay Ponitz (VfN), Prof. Dr. Gerhard Müller-Starck (VfN)

Bildquelle "Christoph Josten, ZWFH"

Kontakt für Rückfragen:

Joachim Hamberger, 0176 / 63861577; Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


Teilnehmer der Diskussionsrunde
Antonia Messerschmitt, Studentin, Aktivistin von Fridays for Future München
Prof. Dr. Achim Bubenzer, Physiker, langjähriger Rektor der Hochschule Ulm, Energieexperte, VfN-Mitglied
Max Straubinger, Bundestagsabgeordneter der CSU seit 1994, Träger des Bundesverdienstkreuzes u. des Bayer. Verdienstordens, VfN-Mitglied

Moderator: Prof. Dr. Gerhard Müller-Starck, langjähriger Angehöriger der Studienfakultät für Forstwissenschaft und Ressourcenmanagement der TU München, VfN-Mitglied

Statements zu Beginn der Diskussion
Antonia Messerschmitt bezieht sich auf das Pariser Klimaabkommen von 2015 und fordert in aller Konsequenz Energiewende und Klimaneutralität in Deutschland bis 2035 mit einem Kohleausstieg bis 2030. Max Straubinger zieht den Bogen vom Weltklimagipfel 1997 in Kyoto bis zum aktuellen Klimaschutz-Gesetz und betont die Notwendigkeit von Kompromissen. Regelungen zur Reduzierung des  CO2-Ausstoßes haben Wirkungen gezeigt, die Schaffung von Anreizen hat Priorität, nicht die Anwendung von Ordnungsrecht. Achim Bubenzer widerspricht dieser Sichtweise und verweist auf die dramatische globale Erderwärmung am Beispiel der Zunahme von CO2 in der Erdatmosphäre (Größenordnung von 40%). Die Begrenzung des Anstiegs globaler Temperaturen auf 1.5°C erscheint noch möglich, aber nicht mit Aktionen der Kategorie "Klimapaket".  Um den CO2-Ausstoß effizient zu reduzieren, muss viel entschiedener vorgegangen werden.

Diskussion
Der Moderator weist darauf hin, dass Nachhaltigkeit neben der aktuellen Klimadiskussion auch diverse andere Aspekte einschließt, z.B. Waldvernichtung in Tropen und Subtropen, Artensterben, Bodenversiegelung, Vergiftung der Umwelt, Verkehr.

Die Diskussion konzentriert sich auf die Klimaproblematik. Ausgehend von Beispielen der persönlichen Handlungsbereitschaft geht es sehr bald um die politische Machbarkeit der von Wissenschaftlern und Teilen der Öffentlichkeit geforderten Maßnahmen zur Einhaltung der Klimaziele. Schwerpunkt ist die CO2-Bepreisung: Fridays for Future fordert 180 Euro pro Tonne CO2 als Ziel (Start bei 50 Euro), in der Diskussion im Auditorium werden mindestens 40 Euro pro Tonne genannt. MdL Johannes Becher fordert die Einstellung diverser Subventionen im Flugverkehr und spricht sich gegen die 3. Startbahn des Münchener Flughafens aus. Aus dem Auditorium wird ein rascher Kohleausstieg befürwortet und auf die unzureichende Förderung erneuerbarer Energie hingewiesen (Solaranlagen, 10H-Regelung). Es erscheint wichtiger, Anreize für ÖNPV zu schaffen statt Pendlerpauschalen zu erhöhen. Generell mangelt es an ehrlichen Energiepreisen. Abschließend verweist der Freisinger OB Tobias Eschenbacher auf das Konzept der "Klima-Dividende" als Alternative zur CO2-Steuer.

Insgesamt überwiegt die Auffassung, dass die Politik den Rahmen des Machbaren bei weitem nicht ausschöpft und klare Prioritäten vermissen lässt. Für den VfN gibt es weitreichende Betätigungsfelder. Im Vordergrund steht die an Fakten orientierte Auseinandersetzung mit dem Ziel, gemeinsame Lösungen zu finden. Ein fairer Umgang miteinander ist unverzichtbar.

Bericht: Gerhard Müller-Starck


 Ein persönlicher Nachklang II