Wie nachhaltig und klimawirksam ist Heizen mit Holz?

Foto: Waldnebel © Artem Sapegin, LizenzUnsplash (21.04.20)

Am 31. März 2020 sendete Frontal 21 einen Beitrag über die Wirkung von Holz als Energieträger. Anders als man gemeinhin dachte sei Holz als Heizmaterial nicht klimaneutral, es sei sogar klimaschädlicher als fossile Energieträger, so der Beitrag, da Holz einen viel geringeren Brennwert aufweise. Dass Brennholz ein Nebenprodukt der nachhaltigen Bewirtschaftung von Wäldern ist und somit regional erzeugt und verbraucht wird, taucht in dem Beitrag nicht auf. Auch wird komplett vernachlässigt, dass der klimaschädliche Kohlenstoff in den fossilen Brennstoffen seit Jahrmillionen geologisch gebunden ist und der Atmosphäre somit nicht zur Verfügung steht - solange man ihn in der Erde lässt. Dass Holz aber helfen kann fossile Energieträger zu substituieren, darauf geht der Beitrag allerdings nicht ein. Alte Bäume binden beim Wachsen mehr CO2 und wären dadurch positiver für das Klima, heißt es dort. Man solle daher Wälder alt werden lassen und Holz nicht einfach verfeuern oder für kurzlebige Produkte verwenden. Dass unsere Wälder immer älter und vorratsreicher werden, sich in ihnen auch mehr Totholz befindet, erwähnt der Beitrag hingegen nicht. Die jüngste Studie des Max-Planck-Instituts für Biochemie in Jena spricht dagegen den nachhaltig bewirtschafteten Wäldern in Deutschland eine ausgeglichene Kohlenstoffbilanz und somit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz zu. Auch diesen Aspekt spart der Beitrag bewusst aus.

Was denkt ihr, wie nachhaltig und klimaneutral ist das Heizen mit Holz. Befinden wir uns damit tatsächlich auf dem Holzweg, wie es Frontal 21 formuliert?

Beitrag von Julian Gröber

Kommentare

  • 14.05.2020 - Jürgen Gauer

    Es ist traurig zu sehen, wie selbst altgediente Kollegen oder Wissenschaftler die Nachaltigkeit in der deutschen Waldbewirtschaftung nicht verstehen (oder verstehen wollen), wie sollen das dann Journalisten können. Waldnutzung ist in Deutschland komplex. Natürlich ist die optimale Nutzung von Holz die Erzeugung von langlebigen Produkten (Holzhäuser und Möbel können Jahrhunderte alt werden). Dafür eignen sich aber nur Bäume, die eine bestimmte Dimension erreicht haben (Bretter, Balken). Dazu werden einzelne Bäume ausgewählt und im Rahmen der Durchforstung in ihrem Dickenwachstum gefördert, in dem man Bedränger entnimmt (im Urwald passiert das auch im Wettbewerb um Licht, allerdings ohne Rücksicht auf die Qualität und langsamer). Insbesonders im jüngeren Laubholz eignen sich diese entnommenen Bedränger - quasi Koppelprodukte - nur als Brennholz - das - soweit die Nährstoffnachhaltigkeit gewährleistet wird, auch als solches genutzt werden sollte. Auch Kronenholz von starken Laubbäumen eignet sich nur als Brennholz. Dem Biologen Ibisch unterlaufen nun zwei Denkfehler. Er bezieht die CO2 Speicherung auf den Einzelbaum, die notwendige Maßeinheit ist aber die Fläche, im Wald ist das ein ha. Ein Einzelbaum speichert natürlich immer mehr CO2, aber er muss dazu anderen Bäumen das Licht entzeihen (da wird nicht gekuschelt, sondern um Licht gekämpft) und bringt sie dadurch um, die können dann kein CO2 mehr speichern. Deswegen kommt es auf bei der CO2 Speicherung auf die Flächenleistung aller lebenden Bäume an, sie ist in mittelalten Wäldern am höchsten. Dann betrachtet Ibisch das Wachstum vertikal - ein Baum braucht 100 Jahre bis er soviel CO2 gespeichert hat. Forstliche Nachhaltigkeit kontrolliert den Zuwachs aber horizontal. Wird an einer Stelle ein Baum genutzt, wächst an einer anderen Stelle ein anderer Baum gerade in diese Dimension ein. Am kunstvollsten passiert das in Plenterwäldern aus Tanne, Fichte und Buche auf verhältnismäßig kleinen Flächen. Um die forstliche Nachhaltigkeit - inzwischen umfassender als der reine Holzzuwachs - zu garantieren unterhalten Forstverwaltungen eine eigene Institution, die sogenannte Forsteinrichtung. Das Besondere an forstlicher Nachhaltigkeit ist nämlich, das sie gemessen wird.


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