Genug Wasser für alle
10 Thesen: Zum Schutz des Wassers in Boden, Feld und Wald
Wasser ist unsere wichtigste Lebensgrundlage und dennoch weltweit ungleich verteilt. Millionen Menschen haben keinen sicheren Zugang zu sauberem Wasser, während andernorts Dürre und Überschwemmungen zunehmen. Der Klimawandel verstärkt diese Gegensätze und bedroht Natur und Gesellschaft in katastrophalen Ausmaßen. Wasser existiert nicht nur in Flüssen und Seen, sondern auch im Boden, in Wäldern und in der Luft. Sein Schutz betrifft deshalb viele Bereiche unseres Handelns. Über lange Zeit wurde Wasser aus der Landschaft verdrängt, mit schwerwiegenden Folgen. Heute wissen wir, dass gesunde Böden, Felder und Wälder Wasser speichern und Leben sichern. Der verantwortungsvolle Umgang mit Wasser ist eine gemeinsame Aufgabe von Politik, Wirtschaft und jedem Einzelnen. Die Inhalte dieser 10 Thesen sollten standardmäßig in der Aus- und Fortbildung für Fachleute vermittelt werden.
Sie zeigen, warum schnelles Umdenken notwendig ist. Denn nur wo Wasser geschützt wird, kann Leben dauerhaft bestehen.
Die folgenden 10 Thesen des Vereins für Nachhaltigkeit e.V. sind ein Beitrag zur aktuellen Debatte um die Landnutzung und werden als Beitrag zur „UN-Dekade für die Wiederherstellung von Ökosystemen“ veröffentlicht.
Foto: Caroline Neven Du Mont
10 Thesen
Die Grundwasserstände sinken vielerorts spürbar und dauerhaft – regional wie global. Ursachen sind entwässerte Böden, ein insgesamt steigender Wasserbedarf, der Klimawandel und Starkregen, der zu schnell abfließt. Besonders ins Gewicht fällt die Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen, die oft kaum erfasst und bislang nicht bepreist wird. Auch Industrie, Rechenzentren und private Nutzer entnehmen große Wassermengen. Die Folgen zeigen sich in trockenen Bächen, austrocknenden Mooren und zunehmender Hitze. Wasserentnahmen müssen deshalb strenger genehmigt und besser kontrolliert werden. Dem Wasser ist ein angemessener monetärer Wert beizumessen. Wasser darf nicht privatisiert werden.
Flüsse und Seen reinigen sich selbst und sichern unser Trinkwasser. Naturnahe Gewässer kühlen ihre Umgebung, fördern Verdunstung und bieten Lebensraum für viele Arten. Doch Schadstoffe aus Landwirtschaft, Industrie und Abwasser belasten sie zunehmend. Wasserentnahmen, Flussbegradigungen und Staustufen verschärfen die Probleme. Heute gilt es, diese Eingriffe rückgängig zu machen. Renaturierungen wie am Fluss Emscher im nördlichen Ruhrgebiet zeigen, dass dies gelingen kann. Weniger Schadstoffeinträge, durchgängige Flüsse und geschützte Uferzonen stärken die Gewässer, den Lebensraum für Tiere und das Klima generell.
Versiegelte Flächen verhindern Versickerung und heizen Städte stark auf. Grünflächen, begrünte Dächer und Fassaden halten Wasser zurück und kühlen die Umgebung. Das Schwammstadt-Prinzip sieht vor, dass Regen lokal gespeichert und die Siedlung vor Hochwasser wie vor Dürre geschützt wird. Besonders wirksam ist es, wenn Wasser und Vegetation von Beginn an mitgeplant werden. Städte sollten daher konsequent aus der Perspektive des Wassers gestaltet werden. Vorgaben wie Dachbegrünung, entsiegelte Plätze, Baumerhalt und Neupflanzung, Grauwassernutzung und der Bau von Pflanzenkläranlagen helfen dabei. So entstehen lebenswertere und klimaresiliente Siedlungen.
Die Entwässerungsmethoden für landwirtschaftliche Flächen lassen Regenwasser zu schnell abfließen. Das fehlt dann dem Landschaftswasserhaushalt, wodurch lokal die Hitzeentwicklung verstärkt wird. Verdichtete Böden speichern weniger Wasser und reduzieren die Humusbildung. Eine wasserschonende Bewirtschaftung setzt auf lockere Böden, begrünte Äcker und vielfältige Fruchtfolgen. Hecken, Grünstreifen und kleinere Felder bremsen Wind und halten Feuchtigkeit. Drainagen und Gräben in Feuchtwiesen sollten zurückgebaut werden. So bleibt mehr Wasser in der Landschaft und die Landwirtschaft wird widerstandsfähiger.
Nährstoffe und Pestizide belasten viele Gewässer und das Grundwasser. Besonders problematisch sind Einträge in Auen, Mooren und grundwassernahen Bereichen. Leider hat das Bundesverwaltungsgericht im Oktober 2025 die verschärften Regeln (Rote Gebiete) zum Schutz des Grundwassers geschwächt. Künftig muss sich die Intensität der Landnutzung an der Belastbarkeit von Böden und Gewässern vor Ort orientieren. Der Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln braucht strengere Nachweise und kann mit digitalen Methoden minimiert werden. Gefährliche Wirkstoffe dürfen erst gar nicht produziert werden oder über Notfallzulassungen zurückkehren. Weniger Schadstoffe senken auch die Kosten der Trinkwasseraufbereitung.
Die bisherige Agrarförderung hat den Wasserhaushalt kaum verbessert. Flächenprämien belohnen oft Nutzung statt Schutz. Die Agrarförderung muss künftig gezielt wasserschonende Praktiken unterstützen. Umweltleistungen sollten honoriert, nicht nur Ertragsverluste entschädigt werden. Das schafft Planungssicherheit und neue Perspektiven für Menschen, die von der Landwirtschaft leben. Auch der Begriff der „guten fachlichen Praxis“ braucht klarere Vorgaben. Mittelfristig muss die ökologische Landwirtschaft deutlich stärker gefördert werden als bisher.
Moore und Auen speichern Wasser, kühlen die Landschaft und schützen vor Hochwasser. Gleichzeitig binden sie enorme Mengen Kohlenstoff, global bis zu einem Drittel des Bodenkohlenstoffes. Durch Entwässerung sind jedoch fast alle Moore in Deutschland geschädigt. Trockene Moore verlieren ihre Speicherfähigkeit und setzen Klimagase frei. Ihre Wiedervernässung stabilisiert den Wasserhaushalt und bremst die Erwärmung. Auen profitieren von mehr Raum und natürlicher Dynamik. Ein verbindliches Moor- und Auenschutzgesetz muss diese Leistungen dauerhaft sichern.
Wälder kühlen durch Verdunstung und schaffen ein eigenes feuchtes Binnenklima. Offene Kronendächer lassen Wind eindringen und trocknen den Wald aus („Wäscheleinen-Effekt“). Große Freiflächen, v.a. dann, wenn diese an Wälder angrenzen, heizen sich auf und entziehen dem Boden zusätzlich Feuchtigkeit („Oaseneffekt“). Diese Effekte schwächen Wälder in Trockenzeiten erheblich. Ein möglichst geschlossener Kronenschluss schützt Wasser im Boden. Durchforstungen und Verjüngung dürfen nur behutsam erfolgen. Flächen, die sich stark aufheizen wie Asphalt, nicht begrünte Landwirtschaftsböden und PV-Anlagen sollten nicht in der Nachbarschaft von Wäldern liegen.
Dichte Wegnetze lassen Regen im Wald rasch abfließen. Besonders bei Starkregen gehen Wasser und wertvoller Humus verloren. Bauliche Maßnahmen können den Abfluss bremsen und Wasser im Wald halten. Dazu zählen Wasserdurchlässe, kleine Rückhaltebecken und der Rückbau überflüssiger Wege. Die Verfahren des Holztransports müssen auf den Prüfstand. Entwässerungsgräben sollten vor allem in Feucht- und Moorwäldern wieder geschlossen werden. So profitieren Grundwasser, Hochwasserschutz und die Bäume selbst. Dafür braucht es Förderprogramme und den gemeinsamen Willen der Verantwortlichen.
Humusreiche Waldböden speichern große Mengen Wasser. Ein Teil davon fließt ins Grundwasser, ein anderer kühlt über Verdunstung das Klima. Totholz, Wurzeln und Bodenbewuchs schützen den Boden vor Auswaschung. Wegen schwindender Schneedecken wird diese Funktion immer wichtiger. In Hanglagen sind intakte Bergwälder wichtig, um den Wasserabfluss zu verlangsamen und Erosion zu verringern. Deshalb müssen diese besonders schonend bewirtschaftet werden. Vitale Mischwälder und angepasste Wildbestände sichern den Wasserhaushalt ganzer Regionen.
Autorenschaft: Hamberger, Joachim; Mergner, Ulrich; Ruffmann, Peter; M. Sorg, Ulrich; Sucher, Fabian; Wagenbrenner, Sonja;
Verantwortlich: Verein für Nachhaltigkeit e.V.; Stand: 18.02.2026