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Bericht

Bayrisch-Kongo

Eine Reise in den Kongo und eine Chance für Erneuerbare Energien

Zwanzig Solarlampen und E.F. Schumachers Gedankengut im Gepäck, trat ich im Februar 2009 eine Reise nach Afrika an, die schon zwölf Jahre früher geplant war. Damals hatte ich mit Ismael Kamara, einem Kongolesen, der seit 25 Jahren in München lebt, dessen Bruder in Rom besucht, der dort Botschafter der Republik Kongo ist. Mit Sonnenkochern wollten wir zu der Zeit Afrika erobern. Der Botschafter erklärte uns, dies sei ein Jahr nach Ende eines Bürgerkrieges nicht der richtige Zeitpunkt.

Da ich selbst in der Zwischenzeit als Solarteurin ausgebildet mehr Erfahrung in der Nutzung von Sonnenenergie und das Land sich friedlich entwickelt hatte, schienen nun die Voraussetzungen für eine Reise nach Afrika günstig.

Das Wortspiel „Bayrisch-Kongo“ ist urbayerischen Ursprungs. In Niederbayern nahe dem ehemaligen „Zonenrandgebiet“ kennt es jeder als Synonym für üppiges Grün, dichten Wald, die Ursprünglichkeit der Natur und der Menschen, in einer nicht konkret definierten Region im Bayerischen Wald. Hier steht der Begriff in einem größeren, interkontinentalen Zusammenhang. Die Ursprünglichkeit der Natur ist auch im kleinen, ehemals französisch besetzten Kongo, besonders schützenswert. (Nicht zu verwechseln mit Zaire, der sog. „Demokratischen Republik Kongo“, Hauptstadt Kinshasa mit 9 Mio. Einwohnern, das wir aus den Medienberichten über Kindersoldaten und interessengesteuerten Rohstoffkriegen kennen.)

Die Republik Kongo mit ca. 3,5 Mio. Einwohnern ist mit 342.000 qkm etwa 5-mal so groß wie Bayern (ca. 12,5 Mio. Einwohner). Mehr als die Hälfte der Landesfläche (57,2 %) besteht aus Regenwald. Nicht nur gemessen an der geringen Bevölkerungszahl gilt das Land als eines der reichsten in Westafrika. Nach Nigeria, Angola und Äquatorialguinea ist Kongo/Brazzaville der 4. größte afrikanische Erdölproduzent. Die großen Abnehmer sind China, Korea und die USA.

BRAZZAVILLE:

In der Regierungshauptstadt Brazzaville leben etwa 1,5 Mio. Menschen. Es herrscht trotz Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit reges Treiben in der Stadt. Während im Regierungsviertel eine gut ausgebaute Allee zwischen den repräsentativen Hochhäusern angelegt ist, kann man ehrlicherweise im restlichen Brazzaville von Straßen kaum sprechen. Das Straßenbild wird dominiert von grün-weißen Toyota-Taxen, die sich in Schlangenlinien durch halb Meter tiefe Riesenpfützen vorwärts bewegen. Der Fahrstil der Taxifahrer ist dennoch auffallend korrekt. Sie blinken konsequent beim Abbiegen und manche schnallen sich sogar an. Es gibt keine Ampeln oder sonstige Verkehrsregeln, doch es läuft irgendwie, weil man einander wahrnimmt und respektiert. Die Luft ist unerträglich schwer von stinkenden, lärmenden Generatoren, die vor jedem kleinen Laden stehen. Viele Menschen haben hier Atemwegsprobleme und es gibt zu wenig Bäume, die helfen könnten. Die wenigen jungen Pflanzen, die in kleinen Aussparungen zwischen öl- und benzinverschmutztem Beton an den Straßenrändern jüngst gepflanzt wurden, versuchen zu überleben, um irgendwann als Baum neue Hoffnung zu geben.

Nachts empfindet man den Lärm von Generatoren noch lauter. Frauen sitzen an den Straßenrändern und versuchen ihre Tagesernte von Obst und Gemüse zu verkaufen. Als Lichtquelle dienen Kerzen, die in halbierten, mit Sand gefüllten Plastikflaschen brennen, oder Kerosinlampen. Erst nach Mitternacht wird es ruhiger. Dann sitzen nur noch wenige Händler in den dunklen Straßen, um ein paar Häufchen Früchte zu Geld zu machen. Bis es auf der anderen Seite der Straße bereits frisches Brot für den Morgen gibt. Übergangslos löst der neue Tag den alten ab. Es gibt keine Pause.

Der Krieg vor 13 Jahren hat offenbar die Menschen resistent gegen Mangel gemacht, ihnen aber nicht den Glauben an eine große Entwicklung genommen. Man arrangiert sich und jammert nicht. Während in Europa täglich Firmen schließen, entstehen hier jeden Tag neue Geschäfte. Arbeitslosigkeit gibt es nicht. Entgegen vieler Vorurteile sind die Menschen, die ich hier gesehen habe, fleißig und stolz auf ihre Arbeit, der sie diszipliniert nachgehen; gleich ob Polizist, Händler, Bürokrat oder Minister. Es gilt als Schande, nicht zu arbeiten. Da es keine Sozialhilfe gibt, bleibt den Menschen gar keine Wahl. In jeder Familie gibt es Kinder und alte Menschen, die versorgt werden müssen. Die Kinder lernen hier sehr früh Verantwortung zu übernehmen, für ihre kleineren Geschwister und die Großeltern. Die Hierarchie richtet sich nicht nach Rang und Namen, vielmehr nach dem Alter. Die Größeren sorgen für die Kleineren, die Stärkeren für die Schwächeren, die Jüngeren für die Älteren – das ist hier gelebte Kultur, unabhängig von Herkunft und Gesellschaftsschicht. Es geht um den Respekt vor jenen, die schon länger auf dieser Welt leben. Altenheime gibt es nicht, das ist undenkbar für Afrikaner. Das Alter hat hier einen Wert, der absolut respektiert wird. Äußerst respektvoll werde ich ständig mit „Maman“ angesprochen, weil ich grauhaarig bin und Falten habe, die ich in Deutschland mit etwas weniger Stolz und Würde trage.

Bildung hat einen hohen Stellenwert in der Gesellschaft. Es gibt eine Universität, viele Privatschulen und eine Kunstakademie. An einigen wenigen öffentlichen, nachts beleuchteten Denkmälern, Relikten aus französischer Besatzungszeit, sitzen abends junge Menschen, still in Bücher vertieft. Sie nutzen das Licht, das zuhause in den unbeleuchteten Stadtteilen fehlt, um zu studieren. Eine breite, gut situierte Mittelschicht lebt nach europäischem Standard. Viele davon sind in Verwaltung und Administration beschäftigt. Sie beschäftigen Haus- und Küchenpersonal, Gärtner, Wächter und Fahrer für ihre Geländewägen, die angesichts der schlechten Straßen ihre Berechtigung haben. Sie sehen „Euronews“ auf riesigen Flachbildschirmen und geben viel Geld aus für Elektrizität und Wasser. Vor allem für die Kühlung der Wohnräume wird etwa dreimal so viel Energie verbraucht wie in Bayern für Heizung. Das liegt in Brazzaville sicher auch daran, dass sämtliche Gebäude, die nach dem Bürgerkrieg wieder aufgebaut wurden, mit zwei Meter hohen Mauern umgeben sind. Das verhindert eine natürliche Kühlung durch Wind und erfordert einen erhöhten Einsatz von Klimaanlagen. Bei den häufigen Stromausfällen, bis zu zehn Stunden täglich, verbraucht ein komfortables Einfamilienhaus durchschnittlich 25 Liter Diesel pro Tag für Generatoren, wovon ein Liter zwischen 0,9 und 1,0 € kostet. Das klingt unglaublich, ist aber Tatsache. Die gehobene Mittelschicht lebt energieaufwändig.

Was in Bayern der Begriff „Laptop und Lederhose“ symbolisiert, heißt in Kongo „Boubou et cellphone“. Boubous sind die traditionellen, bequem geschnittenen Anzüge, die gleichwertig mit der ansonsten europäisch angepassten Kleiderordnung, mit Anzug und Krawatte, auch zu Geschäftstreffen und Regierungsgesprächen getragen werden. Cellphone sind Mobiltelefone. Mangels Telefonfestnetz besitzt jeder, der etwas auf sich hält, davon ein bis fünf Exemplare.

Afrika ist ein aufstrebender Kontinent. In Kongo/Brazzaville ist das deutlich zu spüren. Es wird viel gebaut. Was jedoch für eine gesunde und nachhaltige Entwicklung des Landes fehlt, ist schnell erkennbar: Eine optimierte Energieversorgung, die nicht zuletzt mangels flächendeckender Leitungssysteme dezentral funktionieren muss. Mit Technik und Fachwissen aus Bayern, entsprechenden Erfahrungswerten und Erkenntnissen in Sachen Umweltschutz und Erneuerbaren Energien, könnte dies nachhaltig verbessert werden. Im Wesentlichen sind drei Bedarfsebenen festzustellen, die mit Solarenergie bedient und gefördert werden können:

  1. Individuelle Verbesserung von Bildungschancen mit Solarlampen.
  2. Förderung von Kleingewerbe mit sogenannten Solar-Home-Systems.
  3. Energiekonzepte für kleine Kommunen und neue Stadtteile.

Es hatte sich in dem Zusammenhang bis zu einem regierungsnahen Bauunternehmer herumgesprochen, dass da jemand aus Deutschland in Brazzaville war, der mit Solarenergie zu tun hat. Es kam zu einer gemeinsamen Besichtigung eines geplanten neuen Stadtteils, um zu beurteilen, inwieweit die Elektrizitätsversorgung mit Solarenergie möglich wäre. (Ein Planungsergebnis für eine Mischversorgung liegt hierzu inzwischen vor und ist in Verhandlung.)

Da Sonnenenergie zu speichern noch sehr kostenintensiv ist, müssen hier Lösungen gefunden werden, die eine Energieversorgung garantieren, auch wenn die Sonne nicht scheint. In Brazzaville soll dies erstmals durch einen Energiemix gewährleistet werden, bestehend aus einer Solaranlage (Photovoltaik), einem Blockheizkraftwerk mit Absorber-Technik für die Kühlung, langfristig in Kombination mit einer Biogasanlage. Für den Betrieb der Biogasanlage soll gleichzeitig ökologischer Landbau angeregt werden. Gemessen an der Fruchtbarkeit des Landes wird wenig Landwirtschaft betrieben. Außer einer regionalen Selbstversorgung werden Lebensmittel für die Stadtbewohner überwiegend importiert, aus Europa, China und Indien. Langfristig könnte mit Hilfe von Frauenkooperativen ökologischer Landbau gefördert werden, der die landeseigene Lebensmittelproduktion unterstützt und gleichzeitig Biomasse für den Betrieb von Biogasanlagen liefert.

Ein neuer Markt für Bayern?

Die Chance, anhand eines konkreten Projektes, wie dies in Brazzaville in Planung ist, eine autarke Energieversorgung für kleine Kommunen bzw. Stadtteile als Lösungsmodell zu installieren, könnte eine nachhaltige Handelsbeziehung zwischen Bayern und Kongo fördern. Unterschiedliche Firmen und Unternehmer aus Bayern sind interessiert und haben bereits Zeit und Fachwissen investiert. Die Gehrlicher Solar AG engagiert sich zurzeit in Pointe Noire an einem Bildungsinstitut, das sich als Ausbildungszentrum für Erneuerbare Energien anbietet.

POINTE NOIRE

Pointe Noire, die zweitgrößte Stadt des Landes mit knapp einer Million Einwohnern, ist eine aufstrebende Hafenstadt, die neben Kongo auch Zentralafrika und Angola mit Handelsgütern beliefert. Während in Brazzaville noch eine gewisse Behäbigkeit, bedingt durch schwerfällige Verwaltungsstrukturen der alteingesessenen Machthaber, bremsend wirkt, ist in Pointe Noire deutlich mehr Aufbruchstimmung zu spüren. Hier leben und arbeiten die gut gebildeten Kinder der reichen Alten aus Brazzaville. Teilweise mit Erfahrungen durch Studium dort, in Europa oder den USA, beginnt hier eine junge, leistungsfähige Generation ihre eigene Vorstellung von einer zukünftigen Gesellschaft umzusetzen. Sie bauen ihre villenartigen Häuser in Meernähe im Süden der Stadt, der in den nächsten Jahren durch den Bau einer 30 km langen Küstenstraße erschlossen wird. An der bislang menschenleeren, traumhaft schönen Küste steigen die Grundstückspreise jährlich auf das Doppelte. Es gibt praktisch keine freien Grundstücke mehr.

Etwa zehn Kilometer von der Küste entfernt, nahe der Straße nach Cabinda, befindet sich das CENTER EDEN PRECEPTORAT (CEP). Etwa acht große Gebäude, aneinandergereiht, umschließen ein sechs Hektar großes Grundstück mit Gartenanlagen und Sportgelände. Das CEP ist ein sozialpädagogisches Bildungsinstitut, das als Internat geführt wird. Neben einer intensiven Schulbildung (Grundschule bis zur Hochschulreife) umfasst das Lehrprogramm eine hohe soziale, kulturelle, humanitäre und ökologische Bildung mit christlicher Moral. Von den derzeit über hundert Schülern sind etwa ein Fünftel Straßenkinder oder stammen aus sozial schwachen Familien aus den umliegenden Ortschaften, die sozial integriert werden. Der Großteil der Internatsschüler stammt aus wohlhabenden Familien, die sich ein entsprechendes Schulgeld leisten können. Es ist bekannt, dass dieses Schulgeld auch für die Integration von Kindern aus benachteiligten Familien verwendet wird. Dies wird ausdrücklich als humanitäre Hilfe unterstützt. Geschätzt und gefördert werden die individuellen Talente aller Kinder, gleich welcher Herkunft.

Das vorbildlich geführte Bildungsinstitut ist das einzige im Kongo, das zum UNESCO-Schulnetzwerk (SEA) gehört, dessen Lehrziele der Bewusstseinsbildung für die Achtung der Menschenrechte, Toleranz, gewaltfreie Konfliktlösung, internationale Verständigung und Umweltschutz dienen. Es ist erklärtes Ziel der Schulleitung, die Schüler mit ökologischem Grundwissen und Verständnis für natürliche Zusammenhänge zu nachhaltigem, umweltbewusstem Leben und Wirtschaften zu erziehen.

Gründer und Direktor der Schule ist Henri Nsika Nkaya. Er studierte in Paris Physik, Psychologie und Philosophie. Er leitet das Internat gemeinsam und gleichberechtigt mit seiner Frau Mado Kanté, die kaufmännisch begabt und ökonomisch gebildet den wirtschaftlichen Teil der Schule managt. Ein sympathisches Paar, gesegnet mit großem visionären Geist und Charisma. Schon die erste Begegnung mit den beiden berührte mich zutiefst.

Als ich im Laufe des Gespräches auf das Thema Solarenergie kam, fiel Henri mir um den Hals und war sicher, dass mich der Himmel geschickt hat. Er habe schon seit Jahren versucht, Kontakt zu Firmen zu finden, die sich mit Erneuerbaren Energien beschäftigen. Insbesondere Solarenergie habe er als ideal für ihre Bedürfnisse erkannt. Das große Problem mit der Energieversorgung würde vieles blockieren, und schon eine kleine Solaranlage für den Brunnen, den sie im letzten Jahr mit einer Bohrung von 80 Metern Tiefe gebaut hätten, wäre ein großer Gewinn.

Bestes Trinkwasser für die Schule und umliegende Häuser wird hier aus der Tiefe gepumpt. Das geht natürlich nur, wenn Strom für die Pumpe da ist oder mit einem Generator. Bei den häufigen Stromausfällen ist das ein echtes Problem. Zur Demonstration wurde der Generator in Gang gesetzt. Als der Maschinenlärm ertönte, kamen aus allen Richtungen Frauen mit Flaschen und Eimern herbeigeeilt, um am Brunnen Wasser zu fassen. Eine beeindruckende Szene.

Der Direktor erzählte während eines Geländerundgangs von seinem Plan, auch die umliegenden Schulen mit Trinkwasser zu versorgen, wofür er einen Tankwagen benötigt. Das wäre eine zusätzliche Einnahmequelle für weitere Investitionen, wie Krankenbetten für das kleine Hospital, das gerade eingerichtet wird. Denn gutes Trinkwasser sei teuer, aber für die Gesundheit ein wichtiges Gut. Solarenergie für den Brunnen, den Computerraum, das Licht und die Kühlanlagen, das wäre ein guter Start, meinte er. Als ich ihm erklärte, dass die Nutzung von Sonnenenergie zuallererst die Reduzierung des Verbrauches bedingt, wurde er nachdenklich. Er müsste da wohl noch etwas lernen, stellte er fest. Ein Workshop zum Thema Erneuerbare Energien könnte hierfür hilfreich sein. Überhaupt könnte er sich sehr gut vorstellen, so etwas wie ein Zentrum zu diesem Thema an der Schule einzurichten.

Insgesamt durfte ich fünf Tage im Internat den Ablauf des Schulbetriebs erleben. Über die Disziplin der Schüler/Innen staunen, mit welcher sie ihre persönlichen Bereiche pflegen, ihre Wäsche waschen und fein säuberlich auf Kante zusammengelegt in ihren Fächern ordnen. Auch an einigen interessanten philosophischen Gesprächen mit Vertretern aus verschiedenen Glaubensgemeinschaften, die regelmäßig vom Direktor eingeladen werden, konnte ich teilnehmen. Das alles gewährte mir einen Einblick in die Atmosphäre des gesamten Lebensbereiches der Kinder, Lehrkräfte und des Direktorenpaares. Die Zufriedenheit war allen anzusehen. Sie strahlen Gelassenheit, Ausgeglichenheit und die Erkenntnis aus, dass sie zusammen gehören, in einem Boot sitzen und nur gemeinsam stark sind. Ich fand dort einen Ort der Geborgenheit, der Bildung, der Zukunft – ein Beispiel für lebensnahe Bildung mit Modellcharakter.

In der Zwischenzeit ist in der neuen Selbstdarstellung des Instituts CEP zu Punkt 4 „Geplante Aktivitäten für die nächste Zukunft“ ergänzend zu lesen:

„– Fortsetzung und Ausbau der Internetpräsenz. Ziel ist hierbei, die Aufnahmekapazität für Schüler insbesondere im Hinblick auf Umweltthemen zu erweitern. Bildung zum Selbstwert durch Pflege und Erhalt der Umwelt, Förderung der Eigeninitiative zu diesem Thema, mehr kulturelle Entfaltung, Einführung von Qualifizierungsmaßnahmen, Installation von Workshops, um Theorie und Praxis zu lehren.

– Geplant ist ein ökologischer Gemüsegarten im Schulgelände sowie Zusammenarbeit mit Bauernhöfen in der Umgebung. Unser Anliegen ist es, von der Saat bis zum Genuss die Abläufe in der Natur aufzuzeigen und erlebbar zu gestalten.

– Weiterhin sind geplant eine Nähschule, ein Ausbildungsmodul für Friseur sowie für Holzarbeiten (Schreinerei) wie auch der Malerei. Wichtig erscheint uns, verschiedene Perspektiven aufzuzeigen, wie Talente für eine Gesellschaft nützlich angewandt werden können.

Liste der dafür vorgesehenen Bauten:

Anbau für den Bereich Berufsbildung Mädchen; Werkstatt für handwerkliche Begabungen für Bauen, Restaurieren; Ausstattung des Zentrums für Solarenergie – die Möglichkeit, mit Solarenergie und geschlossenen biologischen Kreisläufen Energie zu erzeugen, soll auch praktisch vermittelt werden; Einrichtung eines Raumes für die Krankenstation der Schule und die nähere Umgebung; Kühlraum; Erneuerung und Ausbau der Waschküche, langfristig Umstellung auf Erneuerbare Energien.

Des Weiteren ist geplant, einen Show-Room einzurichten, um den Vertrieb von Solarkleingeräten, wie Solarlampen und Solar-Home-Systems, anzuregen. Ziel ist hierbei auch, geeignetes Fachpersonal für Montage und Service vor Ort zu schulen, was die Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung ist. Denn die größte Schwierigkeit für die Vermittlung des Nutzens von Erneuerbaren Energien liegt, nicht viel anders als bei uns, im kurzfristigen Denken, welches über die Erstinvestitionen nicht hinauskommt.

Der langfristige Nutzen und die Nachhaltigkeit rechnen sich freilich in Afrika schneller als bei uns in Bayern, solange es dort keinen Atomstrom gibt. Zurzeit befinden sich zwei Techniker der Gehrlicher Solar AG in Pointe Noire im CEP, um die technischen Voraussetzungen für eine Solaranlage abzuklären, die von der Gehrlicher Solar AG gesponsert wird.

Um den Kreis zu schließen, kommen wir noch einmal zurück zum Anfang. Was ist mit den zwanzig Solarlampen geschehen? Nun, sie haben viele Türen, Köpfe und auch Herzen geöffnet für das Thema Sonnenenergie. Bei jedem Besuch hatten wir ein Exemplar zur Demonstration dabei, was durchwegs positive Resonanz zur Folge hatte. Von den zwanzig Exemplaren, die viel zu wenig waren, wurden dreizehn Stück an Personen verkauft, die es sich leisten konnten, um den Einkaufspreis zu decken. Sechs Stück dienten als Gastgeschenke für „einflussreiche“ Personen und die letzte Solux-Lampe fand ihre Bestimmung in Pointe Noire in einer ärmlichen Wellblechhütte, die eine fünfköpfige Familie beherbergt.

Der Angolaner Gabin verlor bei einem Zugunglück seinen rechten Arm und konnte seither nicht mehr arbeiten. Er hatte auf einer Holztafel mit Kreide das Einmaleins bis zehn geschrieben, das er für seine drei und einige Nachbarskinder als „Schule der Mathematik“ nutzte. Für seine Schule nun auch nachts „Erleuchtung“ zu haben, trieben ihm und uns Tränen der Rührung in die Augen. Bei unserem Abschiedsbesuch waren wir zum Fischessen eingeladen.

Gabin ließ uns wissen, dass für ihn dieses Licht nicht nur ein Geschenk des Himmels bedeute, sondern auch einen Ersatz für seinen verlorenen Arm. Begeistert erzählte er uns, er habe die Lampe einem befreundeten Fischer geborgt. Der hätte so viele Fische gefangen wie noch nie und ihm zwei große davon geschenkt. Er könne nun täglich der Sonne danken und uns würde er nie vergessen.

Mein Dank gilt der E.F. Schumacher-Gesellschaft, die mir finanziell und ideell den Rücken gestärkt hat, Ismael Kamara, der ein brillanter Übersetzer und Reisebegleiter war, wie seiner großen Familie für die Noblesse und Liebenswürdigkeit einer grenzenlosen Gastfreundschaft. Henri Nsika Nkaya, seiner weisen Frau Mado und dem Institut Centre Eden Preceptorat für die Bereitschaft, als Basis für eine nachhaltige Kooperative zu dienen, den Ehrenamtlichen von Solux e.V., Klaus Gehrlicher und der Gehrlicher Solar AG für Mut und Investitionsbereitschaft, wie allen Personen, die mit Ideen und Initiative beteiligt sind und sein werden an einem ökologischen Bildungskonzept in ökumenischer Einheit mit ökonomischem Engagement – und nicht zuletzt der Sonne.

 
 

 

  • Autor: Renée Schulz

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