Diskussionsbeitrag
Transitiontown
Nachhaltiges zum Schumacher-Symposium
In der Festschrift, die von der E.F.Schumacher-Gesellschaft anlässlich des ersten Schumacher-Symposiums 2011 herausgegeben wurde, waren viele prominente Stimmen zu lesen, die sich zur Aktualität des Schumacher'schen Gedankengutes äußerten. Darunter auch Benjamin Kafka, einer der jungen Schumacher-Kenner mit der Frage: "Was können wir von E.F. Schumacher für die „Große Transformation“ lernen?
"Schumachers Ideen von Ganzheitlichkeit zeigen uns, was eine „Große Transformation“ im Kern bedeuten könnte: Verbundensein. Wer sich verbunden fühlt, achtet alles Leben als Wert an sich. Die natürliche Welt ist dann ein Zuhause und kein Objekt und Rohstofflager, das achtlos ausgebeutet und beherrscht wird. Um ganzheitliches Wissen zu erlangen ist, so Schumacher, Arbeit an uns selbst notwendig.“ Benjamin Kafka
Inneres Verständnis von uns selbst ist für ihn Voraussetzung, das Instrument gewissermaßen, um tiefere Erkenntnisse über andere Menschen und über die Welt zu erlangen. Diese Erkenntnisse von Schumacher finden heute beispielsweise ihren Ausdruck in der „Transition Towns“ Bewegung, die in England ihren Ursprung genommen hat (übrigens in Totnes, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schumacher College), und die sich inzwischen weltweit verbreitet hat. „Transition Towns“ verbinden die positive Vision einer postfossilen Gesellschaft mit höchst praktischer und realer lokaler Selbstorganisation, mit dem Ziel den eigenen Energie- und Ressourcenverbrauch erheblich zu senken, und gleichzeitig das eigene Leben von unnötigem Konsum zu „entrümpeln“. Dabei steht nicht Verzicht im Vordergrund, sondern der Gewinn von Freiheit und menschlicher Beziehungen.”
Im Buch “Small is beautiful im 21. Jahrhunder“, aufgelegt 2011 vom Verlag “Green Books Ltd” in Totnes, schreibt Diana Schumacher auf S. 59 über das “Transition Towns Movement”:
„Die ursprünglich in Insale, Irland in 2004/5 von Rob Hopkins gegründete Bewegung hat jetzt ihren Hauptsitz in Totnes /Devon.“ Das Ziel der „Transition Towns Bewegung ist es lokale Lösungen zu finden und bereit zu stellen, die für die „Peak Oil“ und Klimawandel Problematik besser gerüstet sind.
“Transition“ hat sich langsam, aber stetig von seiner Basis in England in die entferntesten Länder der Welt ausgebreitet, wie Kanada, Australien, Neuseeland, USA, Italien, Brasilien und Chile. Inzwischen gibt es über 380 (2013 sind es bereits über 1000) so bezeichnete Transition-Initiativen weltweit und das Buch „The Transition Handbook“ von Rob Hopkins wurde in mehr als neun Sprachen übersetzt.
Das Konzept der Transition Bewegung wird in erheblichem Maße von den Prinzipien der Permakultur abgeleitet, wie sie Bill Mollison's in seinem wegweisenden Buch „Permakultur, ein Designer Handbuch“, beschreibt sowie David Holmgren's Werk “Permaculture: Grundlagen und Wege für eine weiterführende Nachhaltigkeit (Permaculture: principles and pathways beyond Sustainability).
Die Bewegung ist, ganz aktuell, ein praktisches Beispiel von Schumachers Denken, denn es geht nicht nur um die Förderung der lokalen Landwirtschaft, der Gemeinschaft und Unterstützung des lokalen Handels, sondern um einen Aufbau einer widerstandsfähigen Gesellschaft, die für Krisenzeiten der Öl-und Nahrungsmittelknappheit gerüstet sind.
Es ist auch ein sehr praktischer Weg zur Reduzierung unseres ökologischen Fußabdrucks und zur Bekämpfung der globalen Erwärmung. Die Art und Weise, wie jede Gemeinde seine "transition“ (Übergang/ Wandel) anpackt, variiert von Ort zu Ort, abhängig von den örtlichen Gegebenheiten, Gewohnheiten und Kulturen, so wie dem zielstrebigen Einsatz der beteiligten Personen.
Die Initiativen in den einzelnen Regionen unterscheiden sich erheblich (in manchen Orten beinhalten diese sogar die Einführung eigener Währungen). Das Hauptziel aller ist die Reduzierung von Kohlendioxyd Emissionen durch Vermeidung von „Lebensmittel-Meilen“, unnötigem Transport und Abfall auf allen Ebenen, sowie die Förderung der lokalen Bio-Lebensmittel-Erzeugung zu ermöglichen.
Schumachers ganzheitliche Betrachtungsweise der Landwirtschaft war zwangsläufig auch mit seinen Ansichten über Volksgesundheit, Sicherheit und einer Ökonomie der Dauerhaftigkeit (Nachhaltigkeit) verbunden.
Im Hinblick auf die Wechselbeziehung von Nahrung und Treibstoffmangel wie wir sie heute erleben, ist diese Begeisterung für gemeinschaftsbasierte landwirtschaftliche Bio-Produktionssysteme immer noch relevant, vor allem auch in den Industrieländern mehr denn je.“ (Übersetzt aus dem Englischen von R. Filhol)
Der Schumacher-Award, eine jährliche Auszeichnung für „stille Helden und Heldinnen der grünen Bewegung“ ging 2008 an Rob Hopkins für die Gründung der Transition-Towns Bewegung.
Nils Aguilar, ein junger deutsch französischer Soziologe und Dokumentarfilmer, hat mit viel Unterstützung einen Film gemacht mit dem Titel „Voices of Transition“ über den Wandel zur Agrarökologie und zu mehr lokaler Nahrungssicherheit. Der Dokumentarfilm zeigt äußerst eindrucksvoll die positiven Auswirkungen dieser Bewegung und eines damit verbundenen Bewusstseinswandels anhand von Beispielen aus aller Welt.
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Autor: Renée Schulz