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Diskussionsbeitrag

Reichen die Erneuerbaren Energien für unseren Lebensstandard?

Ein Plädoyer für das Energiesparen

Der Lebensstil der Menschen in den westlichen Industriestaaten ist nicht nur auf die ständige Verfügbarkeit von Energie angewiesen, sondern erfordert gegenwärtig noch unvernünftig große Mengen davon: Die Preise für fossile und atomare Energien sind von den Energiekonzernen seit jeher künstlich niedrig gehalten worden, sie geben nicht die wahren Kosten wieder, die durch hohe staatliche Subventionen, Rohstoff Verbrauch und Umweltverschmutzung auch heute noch entstehen. Aber nur durch hohen Energie Umsatz konnten die hohen Investitionskosten in die fossil-atomare Infrastruktur wieder ‚erwirtschaftet’ werden. 

Von klein auf haben wir einen sorglosen Umgang mit Energie erlernt, so dass wir uns in der Regel keine Gedanken darüber machen, wie der Strom für unser Licht, unsere Computer oder die S-Bahnen erzeugt wird oder aus welchen Regionen das Erdgas kommt, das unsere Häuser beheizt oder das Öl stammt, das unsere Autos antreibt. 

Wir sollten unseren Umgang mit Energie überdenken und den Energiebedarf auf das absolut notwendige Maß beschränken. Das kann geschehen, ohne unsere Lebensqualität zu verschlechtern. Im Gegenteil, ein neuer, energieeffizienter Lebensstil wird uns mehr Lebensqualität bringen. Dazu wird es kommen, wenn wir uns bewusst machen, woher unser Strom stammt, wie gut unser Haus wärmegedämmt ist, wie wir heizen und mit welchem Energieaufwand wir uns fortbewegen. Die primitive Einstellung "Der Strom kommt doch aus der Steckdose!" gehört dann der Vergangenheit an. 

 

Zurück ans Lagerfeuer?

Der Aufbau einer klimafreundlichen Energieversorgung bedeutet nicht, dass wir von nun an im Dunkeln frieren müssen. Wir sollten aber lernen, Energie sparsam und sinnvoll einzusetzen. Wir Bürger in den Industriestaaten verschwenden Energie noch in großem Maßstab. Allein durch Verhaltensänderungen kann jeder Einzelne von uns mindestens ein Fünftel seiner Kohlendioxid-Emissionen einsparen. Setzen wir uns gleichzeitig entschlossen für einen zügigen Ausbau der Erneuerbaren Energien ein, oder legen wir uns z.B. einen solaren Warmwasserkollektor und /oder eine Photovoltaik Anlage auf dem Dach unseres Hauses zu, dann können wir mehr als die Hälfte unserer Kohlendioxid Emissionslast abbauen. Erneuerbare Energien sind nämlich kein Zukunftstraum mehr. Sie sind inzwischen ausgereift, real und großflächig einsetzbar. 

 

Wir brauchen die Energie-[R]Evolution 

Der Klimawandel erfordert nichts Geringeres als eine Energie-[R]Evolution. Im Zentrum dieser raschen Energiewende wird eine Veränderung der Art und Weise stehen, in der Energie erzeugt, verteilt und verbraucht wird. 

Die fünf Schlüsselprinzipien dieses Wandels lauten: 

  • Erkennen der natürlichen Grenzen von Rohstoffen auf unserem Planeten Erde 
  • Daher kein weiteres materielles Wachstum, nur Wachstum auf geistig-seelischer Ebene anstreben 
  • Rasche aber maßvolle Einführung von sauberen, erneuerbaren Energie-Systemen in allen Bereichen und zwar vorwiegend auf dezentralisierte Weise 
  • Zügige Abschaffung aller schmutzigen, nicht nachhaltigen Energiequellen 
  • Schaffung von größtmöglicher Energie-Unabhängigkeit weltweit 

 

Im ersten Schritt der Energie-[R]Evolution sollten wir die vorhandenen Effizienzpotenziale in Industrie, Gewerbe, Haushalt und Verkehr konsequent erschließen. Intelligente Nutzung, nicht Verzicht, ist das Grundprinzip der zukünftigen Energieversorgung. 

Die größten Effizienzpotenziale sind beim Hausbau und der Wärmeisolation von Altbauten sowie durch Ersetzen veralteter elektrischer Heizsysteme durch erneuerbare Wärmesysteme wie Sonnenkollektoren und Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK) zu erreichen. Ferner durch Einführung von hocheffizienten elektrischen Maschinen und Antrieben und einer Verringerung des Energieverbrauchs bei Fahrzeugen zur Güter- und Personenbeförderung. 

 

Im zweiten Schritt sollte die benötigte Energie viel dezentraler entstehen, als es bisher geschah. Erneuerbare Energien können weitgehend am Verbrauchsort oder in direkter Nähe dazu erzeugt werden. Dezentral produzierter Strom von Photovoltaik Anlagen zum Beispiel wird an ein lokales Verteilungsnetz angeschlossen und versorgt Privathaushalte und Büros bei Tage und vor allem im Sommer direkt anstelle des bisher üblichen Hochspannungsübertragungsnetzes. 

Werden Blockheizkraftwerke eingesetzt, die mit Holzgas, Pflanzenöl oder Biogas nachhaltig betrieben werden können, ermöglicht die Nähe der stromerzeugenden Anlage zu den Verbrauchern den Transport der Abwärme zu nahegelegenen Gebäuden (Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung). Das bedeutet, dass nahezu die gesamte Eingangsenergie verwendet wird und nicht nur ein Bruchteil, wie bei den herkömmlichen zentralen Kohle- oder Atomkraftwerken. Ferner liefern sie Strom und Wärme zum Heizen ohne nennenswerte Emissionen. Auch innovative Systeme wie Erd- und Luftwärmepumpen in Verbindung mit Solarstrom- und Sonnenwärme-Anlagen gehören zu den neuen dezentralisierten Technologien. Diese Systeme können alle im Kleinen, d.h. im Haushaltsbereich zur Anwendung kommen. 

 

Zukunftsfähige Mobilitätskonzepte sind gefragt

Große Änderungen muss es im mobilen Sektor geben. Eine intelligente und umweltfreundliche Mobilität hat zum Ziel, den Verkehr möglichst auf Bahn, Bus und Rad zu verlagern. Das Auto kann so immer mehr durch umweltfreundlichere Systeme ersetzt werden, denn fast die Hälfte aller mit dem Auto zurückgelegten Wege sind kürzer als drei Kilometer. Die Holländer zeigen, wie es geht: In vielen holländischen Kommunen fahren die Menschen drei- bis viermal öfter mit dem Fahrrad als sonst in europäischen Städten. 

 

Sparsame Auto-Mobilität

Im Verkehrsbereich sollten zügig sparsamere Antriebstechniken verwendet werden. Greenpeace hat schon in den neunziger Jahren mit dem Energiespar-Auto SmILE gezeigt, dass eine Verbrauchsreduktion auf 3 Liter pro 100 Kilometer problemlos möglich ist. Die Politik muss dringend eine strenge Obergrenze für CO2-Emissionen für Neuwagen vorschreiben, damit die Auto-Hersteller endlich sparsame Autos bauen. Technisch ist das kein Problem. Noch vorteilhafter sind Elektroantriebe, wie sie schon seit Jahrzehnten in O-Bussen, Straßen- und S-Bahnen sowie in Zügen eingesetzt werden. Elektroautos werden kommen, weil sie nicht nur sehr geräuscharm und emissionsfrei sind, sondern darüber hinaus noch weniger Energie benötigen: 10 - 30 kWh je 100 km (das entspricht 1 - 3 Liter je 100 km). Wenn Dächer von Garagen und Carports mit Photovoltaik-Modulen belegt sind, kann der Solarstrom tagsüber in stationäre Batterien oder in die Batterien der parkenden Elektroautos ein gespeist werden. Damit werden sie zu Solarmobilen und eine nachhaltige solare Mobilität beginnt. 

 

Fazit

Ändern wir Bürger unseren derzeit noch verschwenderischen Umgang mit Energie durch eine deutlich erhöhte Effizienz in Industrie, Gewerbe, Haushalten und Verkehr und decken wir den Restbedarf zukünftig ausschließlich mit Erneuerbaren Energien in Form von vor allem Strom und Wärme (der Bedarf an Biotreibstoffen wird drastisch zurückgehen, wenn Elektromobilität vorherrscht!), dann werden wir in den Industrieländern unseren Lebensstandard trotz zunächst höherer Energiepreise beibehalten und die Menschen in der Dritten Welt ihren Lebensstandard deutlich anheben können, weil zunehmend geringere Energiekosten der dezentralen Erneuerbaren es ermöglichen werden. Darüber hinaus wird sich weltweit eine höhere Lebensqualität ohne Emissionen und mehr Frieden für alle Menschen einstellen: Kriege um Energie-Rohstoffe wird es nicht mehr geben! 

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