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Diskussionsbeitrag

Wir brauchen die Bienen

Als Vorsitzende eines Imkervereins und Lehrbienenstandes komme ich mit vielen Interessierten, Gästen und Kindern ins Gespräch, sei es beim Tag der Offenen Tür, sei es bei Vorträgen im Verein oder anderen Veranstaltungen über Bienen und Gartenthemen. Seitdem in den Medien über das Bienensterben viel berichtet wird, ist das Interesse an der Bienenhaltung, und wie Bienen leben, enorm gewachsen.

Als Dozentin für Umweltbildung stelle ich darüber hinaus fest, dass das Wissen über Naturzusammenhänge immer geringer wird. Aber nicht nur StudentInnen sondern auch Erwachsene haben wenig Wissen und wenig Bezug zu Zusammenhängen von Pflanzen und den dazugehörigen Tierarten. 

Vor kurzem wurde die ernsthafte Frage an mich gerichtet, wieso das mit den Bienen problematisch sei, diese hätten doch genügend Bäume, Sträucher und Grünzeug. und damit auch genügend Blätter! 

Ja, auch die lila Kuh gibt es, aber nicht auf der Alm. Und dieser Verlust an wirklich relevantem Wissen beschäftigt mich nicht nur beruflich. 

Als bereits vor längerem zu lesen war, dass viele Menschen meinen, dass Baumwolle von den Schafen kommt, war mir bewusst, dass der Zusammenhang von Bienen und Blühpflanzen, die für Bienen wichtig sind, vermutlich nicht Allgemeinwissen ist. 

Da ich auch Wildkräuterführungen und Wildkräuterkochkurse gebe, kann ich feststellen, dass auch Gartenbesitzer häufig mit der Artenkenntnis und der enormen Bedeutung der Wildkräuter nicht wirklich vertraut sind. Ein Mitglied meines Gartenbauvereins erzählte mir dazu die wirklich schöne Geschichte, dass er von seinen neuen Nachbarn im Frühjahr gefragt wurde, "was er da für wunderschöne, gelbblühende Blumen im Garten habe"? Die Frage konnte ganz einfach beantwortet werden: Es handelte sich um Löwenzahn. Eigentlich denkt man, dass jedes Kind Löwenzahn erkennt. So kann man sich täuschen. Im Folgende möchte ich folgenden Fragen nachgehen: 

  • Was versteht man unter einem bienenfreundlichen Garten? 
  • Welche Bedeutung haben Bienen für die Natur? 
  • Ernährung der Bienen, Probleme und Hilfestellung 
  • Ein Blick auf die Kulturgeschichte der Bienen 

 

Was versteht man unter einem bienenfreundlichen Garten? 

Vor allem für unsere Honigbienen ist es wichtig, dass vom zeitigen Frühjahr bis zum späten Herbst Pollen und Nektar in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Im Gegensatz zu Hummeln und Wildbienen überwintern sie nämlich als Volk, so dass sie im Frühjahr einen riesigen Startvorteil haben. Wildbienen sind Solitärbienen und nicht staatenbildend. Tausende von Bienen pro Volk haben den Winter überlebt und die Königin kann je nach Witterung oft schon ab Januar zu brüten beginnen. Dann ist ihr Volk bis März schon stark gewachsen. Bei Hummeln, Wespen und Hornissen dagegen überwintert nur die Königin, die im Frühjahr ihr Volk mühsam aufbauen muss. Deshalb benötigen Tausende von Bienen schon im Frühjahr Pollen und Nektar um sich selbst zu ernähren und ihre Brut mit Pollen zu versorgen. Ein bienenfreundlicher Garten startet mit Frühblühern wie Schneeglöckchen, Winterlingen, Krokussen. Weiden und Kornelkirschen. Selbstverständlich soll das Angebot zu den anderen Jahreszeiten genauso vielfältig und reichhaltig sein. Sobald die Temperatur auf 10°C oder mehr steigt, fliegen Bienen zum Sammeln aus. Bei niedrigeren Temperaturen können sie, im Gegensatz zu Hummeln, nicht fliegen. 

 

Bienen sind für die gesamte Bestäubung im Garten, in der Landwirtschaft und in der Natur von höchstem Wert. Ohne sie gäbe es kaum Obst und Gemüse. 

Nur Honigbienen sind blütenstet, d.h., nur sie befliegen jeweils eine Art, wodurch die Befruchtung erfolgen kann. Apfelblüten können z.B. nicht von Blüten des selben Baumes befruchtet werden. Weil Bienen bei einem Ausflug nur Apfelbäume besuchen, tragen sie die Pollen von einem Baum zum anderen. Hummeln dagegen sind nicht blütenstet, sondern besuchen beim selben Ausflug von Kirsche bis Zwetschge viele Blüten. 

 

Die Honigbiene sorgt mit ihrer Blütenstetigkeit für mehr als 80 Prozent aller Befruchtungen.

Ohne die Bestäubung durch Bienen würden die Erträge von Obst und vielen Gemüse-, Kultur- und Wildpflanzen äußerst gering sein. In den USA brächten die Monokulturen von Mandeln, Äpfeln und anderem kaum eine Ernte hervor, wenn nicht die Imker ihre Bienen auf Lastwagen dorthin bringen würden. Durch das dramatische Bienensterben droht für die dortigen Kulturen das Aus. Wobei das Bienensterben durch diese Art der Haltung stark gefördert wird. Für die Bienen bedeutet das Befördern auf Lastwagen, die Unruhe und der Krach bei Transportstrecken über tausende von Kilometern eine enorme gesundheitliche Belastung. Damit sie es überhaupt aushalten, werden sie mit Antibiotika behandelt. Die Verseuchung des Honigs mit diesen Medikamenten interessiert die Imker nicht, da sie ausschließlich für die Bestäubung pro Volk bezahlt werden. 

Als zusätzliche Belastung kommt dazu, dass der Polleneintrag als Futter für die Jungbienen nur aus Monokulturen stammt, also eine extrem einseitige Ernährung. Welche Krankheiten durch gentechnisch verändertes Saatgut entstehen, ist noch nicht endgültig untersucht; Versuche belegen aber, dass die Bienen ein durchlöchertes Darmsystem aufweisen. Allein das Beizmittel von Saatgut ist für Bienen und alle anderen Insekten toxisch. Das alles führt mittlerweile dazu, dass sich in den Bienenkästen keine Bienen mehr befinden und die Imker kaum noch Völker haben. 

Aber auch unsere Bienen haben in unserer Landwirtschaft nicht ausreichend wertvolle Blüten. Die Felder weisen immer mehr Monokulturen, von Getreide, Mais oder Zuckerrüben auf, von denen Bienen nicht leben können. Blumenwiesen und Ackerrandflächen dagegen, auf denen Kamille, Mohn oder Kornblumen blühen, sind selten. Wiesen- und Ackerblumen gibt es fast nur noch auf den Flächen biologisch arbeitender Landwirte. In der konventionellen Landwirtschaft werden alle Begleitpflanzen weggespritzt. 

Nachdem es kein bienenfreundliches Spritzmittel gibt, vergiften sich die Bienen durch den Pollen- und Nektareintrag. Hier ist die Politik eindeutig gefordert - aber auch die Landwirte sollten ihre Produktionsweise überdenken. Weil im Gegensatz zu früher Bauern nur noch selten Bienenstöcke haben, denken sie auch kaum daran, dass Spritzmittel tödlich sind für die kleinen Insekten. Bienen sind darüber hinaus hochsensible Umweltindikatoren. Geringste Spuren von Giften lassen ganze Völker zusammenbrechen. 

Für das langfristige Überleben der Bienen ist es dringend notwendig, dass Wiesen frühestens Mitte Juni gemäht werden, damit die Wiesenblumen als Lebensraum für Insekten und Bienen zur Verfügung stehen. Sechs bis sieben mal Mähen im Jahr verstärkt auf dramatische Weise das Artensterben, weil keine Pflanze mehr zum Blühen kommt, bestäubt wird, bzw. Samen bilden kann. Damit verschwinden immer mehr Wildblumen und damit auch Insekten, die davon leben. 

Auch in Gärten sollte nicht ständig gemäht werden. Dann wäre der so wichtige Weißklee im Rasen auch für die Bienen als Nektarpflanze verfügbar. Noch besser ist es, statt des Einheitsrasens Wildblumenwiesen anzulegen, in denen eine bunte Vielfalt von Arten zu finden ist. 

Hilfreich für Bienen wären auch Wildfruchthecken mit Weißdorn, Schlehe, Kornelkirschen, Wildrosen, Heckenrosen oder Bienenbäumen statt Thujenhecken und Forsythien, die für keine Tierart (!) einen Nutzen bieten. Von besonderer Bedeutung im Jahresverlauf sind die Blumen, die Pollen und Nektar liefern. Es gilt: je vielfältiger das Nahrungsangebot umso besser für das Immunsystem unserer Bienen und Tiere im Garten. 

 

Schon immer waren Bienen mit die wichtigsten Tiere für die jeweiligen Kulturen. 

Die ältesten gefundene Felszeichnungen mit Bienen sind circa 12 000 Jahre alt. Im Papstwappen kommen sie genauso vor wie auf griechischen Amphoren. In Ägypten war seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. die Biene das Hieroglyphenzeichen für den König. Im Mittelalter waren die Zeidler ein eigener Berufsstand, der die Armbrust tragen durfte. 

Auch bei uns, wo die Bienen noch halbwegs artgerecht gehalten werden, macht ihnen die Varoa-Milbe sehr zu schaffen. Diese Milben können ein Volk stark dezimieren. Mindestens genauso groß sind die Gefährdungen durch die industrielle Landwirtschaft, also Monokulturen, die entweder zu Hunger oder extrem einseitiger Ernährung führt, Intensivwiesen auf denen keine Blumen mehr wachsen, weil sie zu oft gemäht und stets mit Bioziden gespritzt werden. 

All diese Gefahren können vom Imker nur sehr eingeschränkt beeinflusst werden. Ein Volk befliegt rund 100 Quadratkilometer. Eine Biene sucht bis zu 10 km lang nach Blütenpflanzen, maximal fliegt sie 14 km. Ihre Fluggeschwindigkeit beträgt beachtliche 25 km/h. 

Es ist an der Zeit, den Bienen und ihren Artgenossen unsere volle Aufmerksamkeit zu widmen denn, wenn es keine Bienen mehr gibt stirbt nach vier Jahren alles Leben. (Albert Einstein) 

 

BIENEN Das Flugareal eines Volkes beträgt rund 100 km². Eine Biene sucht in einem Umkreis bis zu 10 km Blütenpflanzen auf. An einem Tag besucht eine Biene 700 - 800 Blüten. Nahrungsquellen werden anderen Bienen mitgeteilt. Ihre Fluggeschwindigkeit beträgt bis 25 km/h. Aus 3 kg Nektar wird 1 kg Honig. Für 1 kg Klee-Honig müssen 6 Millionen Weißkleeblüten besucht werden, das sind 4000 Sammelflüge einer Biene. Bei Rotklee bedarf es 20 Millionen Blüten. Eine Königin legt täglich bis zu 2000 Eier. 

WILDBIENEN Sie bestäuben viele Kulturpflanzen und schließen Bestäubungslücken der Honigbienen.

HUMMELN Sie sind noch emsiger als die Bienen. Bis zu 1000 Blüten besucht eine Hummel am Tag. 

 

  • Autor: Ulrike Windsperger

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