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MUTation 1 - Denkmal im Wald

Mutation, Zufallsereignis und zugleich Motor der Evolution. Mutation, die dauerhafte Veränderung von stabilen genetischen Merkmalen. MUTation, der Mut zur Veränderung von vermeintlich unverrückbaren, ökonomischen und
gesellschaftlichen Verhältnissen.
MUTation, damit überschreibt der Verein für Nachhaltigkeit e.V. seine Schriftreihe, deren erster Band vor Ihnen liegt. MUTation, weil Nachhaltigkeit eben kein rückwärtsgewandter Begriff ist, auch wenn er bereits vor 299 Jahren erstmals in einer sächsischen Waldbauanweisung niedergeschrieben wurde. Nachhaltigkeit ist ein Begriff, der in die Zukunft blickt, der den Auftrag beschreibt, die ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Ressourcen unserer Welt vorsorgend und wertschätzend zu behandeln. Und deshalb braucht Nachhaltigkeit Mut, Mut zum kritischen Hinterfragen unseres gewohnten Alltags, Mut zur Veränderung unserer Lebensstile, Mut, die Unsicherheit, die jeder Wandel mit sich bringt, auszuhalten.

Der Verein für Nachhaltigkeit e.V. stellt sich der Aufgabe, Mut zu machen. Er möchte provozieren, damit wir über den Begriff der Nachhaltigkeit aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln reflektieren. Er will aber auch zeigen, dass Wandel möglich ist, dass wir die Werkzeuge zum nachhaltigen Handeln bereits in den Händen halten. Der Berghauptmann Hans Carl von Carlowitz war einer von denen, die dies bereits vor mehreren Jahrhunderten beschrieben. Unser Auftrag ist es, das Prinzip der Nachhaltigkeit in unsere Zeit zu übersetzen und so den Wandel, die gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen zu gestalten.
Wer nicht weiß, wo er herkommt, der weiß auch nicht, wo er hingeht, so beschreibt der Volksmund die Notwendigkeit zur Orientierung. Übertragen heißt dies: Wer die Zustände und ihre Geschichte nicht kennt, kann sie auch
nicht verändern. Er kann nicht unterscheiden zwischen dem, was erhaltenswert ist, und dem, was reformiert werden muss. Wo lässt sich in einer schnelllebigen Zeit, in der das, was heute modern ist, morgen schon veraltet sein wird, diese Lebenswahrheit früherer Generationen noch erleben? Im Wald!
Seine langfristigen Bewirtschaftungszeiträume von mehreren Jahrzehnten, oft auch Jahrhunderten, lassen uns heute das Ergebnis des Handelns von Generationen vor uns erleben. Entscheidungen, die Förster heute im Wald treffen, werden erst in Jahren wirklich sichtbar sein. Wald und Forst sind also nicht nur ein Ort, der uns zur Erholung einlädt, der Sauerstoff und Holz produziert, sondern auch Anschauungsobjekt für die langfristigen Konsequenzen menschlichen Wirtschaftens. Die ausdauernde Beharrlichkeit des Waldes konserviert darüber hinaus die Spuren, die Generationen vor uns im Boden hinterlassen haben: Grenzwälle, Keltenschanzen, Hohlwege und noch vieles mehr.


Die Ausstellung „DenkMAL im Wald“, die im Sommer 2010 im Bayerischen Landtag eröffnet wurde, greift diesen Spannungsbogen auf. Bodendenkmäler im Wald, laden ein, über die eigene kulturelle Geschichte nachzudenken. Bodendenkmäler im Wald werden vom stehenden Wald konserviert. Bodendenkmäler bleiben im Wald nur erhalten, wenn wir sie kennen und den schützenden Wald pflegend bewirtschaften. Mit diesen Aspekten haben sich im Rahmen der Ausstellungseröffnung drei Redner aus unterschiedlichen Perspektiven genähert. Reinhold Bocklet, stellvertretender Präsident des Bayerischen Landtags, stellt die Aufgabe von Politik und Gesellschaft heraus, die Schätze der Vergangenheit für zukünftige Generationen zu erhalten. Der Sozialethiker Markus Vogt reflektiert über den untrennbaren Zusammenhang von Natur und Kultur. Zum Nachdenken über Nachhaltigkeit lädt Joachim Hamberger, Erwachsenenbildner und Experte für Forstgeschichte, ein.
Aus diesen Reden sind drei spannende Texte entstanden, die den Auftakt der Schriftenreihe MUTation bilden. Der Verein für Nachhaltigkeit lädt Sie mit MUTation ein, immer wieder neu über Nachhaltigkeit nachzudenken.
Ziehen Sie Ihre eigenen Schlüsse und lassen Sie sich ermutigen, ein Movens des Wandels hin zu einer zukunftsfähigen Gesellschaft zu sein.

Freising, Dezember 2012
Monika B. Arzberger
2. Vorsitzende
Verein für Nachhaltigkeit e.V.