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MUTation 3 - Climate Engineering als Verantwortungsversprechen angesichts des Klimawandels-Eine ethische Analyse

Noch klingt es nach Science-Fiction: Sonnenschilder, die das Sonnenlicht über der Erde reflektieren. Das Entstehen oder Auflösen lassen von Wolken. Die Zirkulation des Meerwassers beschleunigen oder mit Eisen düngen. Diese und weitere Methoden werden jedoch bereits erforscht, getestet und könnten Realität werden. Die ökologischen Folgen sowie die gesellschaftliche Steuerbarkeitjedoch sind jedoch ungewiss. Die Macht zu besitzen, aktiv in den Klimakreislauf einzuwirken bedeutet, eine neue Dimension der Verantwortung zu haben, der wir Menschen uns stellen müssen.

Einleitung

Vom 30. November bis zum 11. Dezember 2015 tagen die politischen Entscheidungsträgerinnen und -träger in Paris, um eine neue international geltende Vereinbarung zum Klimaschutz zu verabschieden. Es könnte die letzte Möglichkeit sein, den anthropogen verursachten Klimawandel durch verbindliche Vereinbarungen abzuschwächen. Verlautbarungen und Reden wichtiger Entscheidungsträger lassen dabei die Hoffnung aufkeimen, dass gemeinsame Regelungen gefunden werden können. Die zehn wärmsten Jahre, seit den ersten systematischen Aufzeichnungen von 1880, wurden zwischen 2000 und 2014 gemessen. NASA und NOAA haben das Jahr 2014 zum statistisch wärmsten Jahr erklärt.1 Hinzu kommt eine Zunahme des Wärmegehalts der Ozeane, des tropischen Pazifiks und des indischen Ozeans um circa 0,8 Grad Celsius. Diese signifikante Temperaturerhöhung ist auch auf das zyklisch auftretende Wetterphänomen "El Niño" zurückzuführen, dessen Schwankungen zuzunehmen scheinen. Dadurch verändert sich das Niederschlagsmuster. Hitzewellen bedrohen die Agrikultur lateinamerikanischer Länder, wie beispielsweise Brasilien. Seen trocknen aus, saisonale Wasserknappheit führt zu Lebensmittelknappheit bei Völkern in den Anden, die gleichzeitig durch schmelzende Gletscher bedroht werden. Zentralasien und die arabische Halbinsel erleiden das gleiche  Schicksal. Die Alpen bröckeln, die Deiche der Nordsee müssen erhöht werden. Auch die USA plagt eine seit 2011 andauernde Dürre regional unterschiedlicher Ausprägung und weitreichender Konsequenzen für Mensch und Natur.2,3 Zugleich gilt zu konstatieren, dass internationale Bestrebungen, gemeinsame Klimaziele festzulegen und auf nationaler Ebene ratifizieren zu lassen, bis heute gescheitert sind.

Sind wir tatsächlich gescheitert? Welche Optionen sind noch möglich, um einen drohenden Kollaps abzuwenden? Sind diese verantwortbar? Es war der Nobelpreisträger für Chemie, Paul Crutzen, der in seinem Aufsatz in der Zeitschrift Ambio4 eine Möglichkeit zur Kontrolle der Temperatur vorschlug und die Debatte zur gezielten Kontrolle des Klimas wiederaufleben ließ.5 Crutzen zufolge, sollten dabei Schwefeldioxidpartikel in die Atmosphäre transportiert werden um eine reflektierende und damit sonnenabweisende Schicht zwischen Erde und Sonne zu bilden. Seither hat die Anzahl der wissenschaftlichen Abhandlungen zum Thema gezielter Klimaeingriffe, insbesondere im naturwissenschaftlichen Forschungsbereich, stark zugenommen. Die Auseinandersetzung in den geisteswissenschaftlichen Fächern, insbesondere der Ethik dagegen ist gering. So fordert die Deutsche Forschungsgesellschaft (DFG) in einem Plädoyer, die ethischen Aspekte in den Diskurs miteinzubeziehen.6 Diesem Manko soll mit dieser Arbeit entgegnet werden.

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